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untitled, metal, 610 x 220 x 32 cm, 2019

asap_ Ma Jia at Kunstverein fAN

In Kooperation mit Herrn Hamed Alsayad von Space Flower bespielt der Kunstverein fAN sobald als möglich einen neuen Raum in der Praterstraße 33.

Nicht immer und nicht überall ist es möglich, sagen zu können was man ausdrücken will. Einmal ist es nicht der richtige Augenblick, ein andermal ist es politisch verboten, Dinge beim Namen zu nennen oder es fehlen die Worte, fehlt die Sprache, die man nicht spricht, sei es die eigene, die plötzlich fremd erscheint oder eine Fremdsprache. Wie sagt man etwas, wenn keine Sprache angemessen erscheint oder etwas anderes erzählt als die bloßen Worte zu vermitteln scheinen? Was bedeutet es, wenn die Übersetzung die einzige Sprache darstellt, die das Gefühl immer in einer anderen Sprache zu sprechen direkt ausdrücken kann, wenn das Übersetzen selbst den Raum zwischen den Sprachen artikuliert, wenn die gebrochene Sprache allein geeignet ist, das immer schon andere in der Sprache zum Ausdruck zu bringen, das Eigene und Enteignete zugleich anzusprechen, sich das Enteignende an der Sprache anzueignen? Die Arbeiten von Ma Jia erheben das Wort für eine Kunst des Übersetzens. Sie zieht zum Beispiel die Sprache der Abstraktion dafür heran, Botschaften auszudrücken, die nicht direkt gesagt würden dürfen, in ihrer Abstraktion gerade das Verbot etwas zu sagen zum Vorschein zu bringen. Was formal an die Geschichte minimalistischer Kunst erinnert, ist nur die Übersetzung eines Gefühls, es anders sagen, eine andere Sprache heranziehen zu müssen, den Abstand zwischen dem Unmittelbaren und Mitteilbaren auszuloten. In der Sprache der Abstraktion kommt die Geste des Abstrahierens, des Übersetzens in eine andere Sprache selbst zu Wort. Wörtlich markiert die Abstraktion den Abstand, den sie zum Abstrahierten unterhält. Der vermeintliche Minimalismus ihrer Installationen gibt sich darin sehr beredt, redet unmittelbar vom Abstrahieren, spricht unmittelbar davon, es nur übersetzt sagen zu können oder zu wollen. Sie entzieht dem Minimalismus dessen formale Abstraktion: Vergleichbar mit gebrochen gesprochenen Sprachen wie dem »Gebrochenen Deutsch« oder »Broken English« spricht sie eine Art »gebrochener Abstraktion«. Wenn ihre Installationen aus Stahlstäben eine geometrische Struktur vermitteln, dann entpuppen sich diese bei näherem Hinsehen als höchst fragiles Konstrukt aus bloß hingelegten Stäben, denen das Positioniert-Werden, die Geste des Hinlegens oder Auflegens noch innewohnt. Die abstrakte Ordnung der Installationen gibt sich als eine Ordnung des Installierens zu erkennen; darin sind sie weniger Skulpturen als Performance, Ausdruck eines Handelns, das in der Übersetzung wie eine Skulptur erscheint.

Andreas Spiegl