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annual programme fAN: 7.

Aber Freund! wir kommen zu spät. Zwar leben die Götter, Aber über dem Haupt droben in anderer Welt. Endlos wirken sie da und scheinen’s wenig zu achten, Ob wir leben, so sehr schonen die Himmlischen uns.

Denn nicht immer vermag ein schwaches Gefäß sie zu fassen, Nur zuzeiten erträgt die göttliche Fülle der Mensch. Traum von ihnen ist drauf das Leben. Aber das Irrsal Hilft, wie Schlummer, und stark machet die Not und die Nacht, Bis daß Helden genug in der ehernen Wiege gewachsen, Herzen an Kraft, wie sonst, ähnlich den Himmlischen sind. Donnernd kommen sie drauf. Indessen dünket mir öfters Besser zu schlafen, wie so ohne Genossen zu sein,

So zu harren, und was zu tun indes und zu sagen, Weiß ich nicht, und wozu Dichter in dürftiger Zeit. Aber sie sind, sagst du, wie des Weingotts heilige Priester, Welche von Lande zu Land zogen in heiliger Nacht. (Friedrich Hölderlin “Brod und Wein”)

Und, wozu Kunst in dürftiger Zeit?………….Das Pflegen von Rousseaus “amour de soi” (Selbstliebe) erfordert ein hoch kultiviertes Bewusstsein. Eigennütziger Egoismus ist keine brutale Tatsache unserer Gesellschaft, sondern vielmehr ihre Ideologie. Heute wird oft behauptet, in unserer totalen Mediengesellschaft mit ihrer Kultur der öffentlichen Geständnisse und digitalen Überwachungsmöglichkeiten verschwinde die Privatsphäre. Das Gegenteil ist wahr: Es ist vielmehr der öffentliche Raum, der verschwindet. Was also kann Kunst tun? Ist Kunst bloss Abbild eines traumatischen Innenlebens. Ist Kunst “das grosse andere”? Was, so könnte man fragen kann Kunst für die Gesellschaft tun? Kulturimagines und Diskurse sind sinsofern die Grundlage von Gesellschaften, als sie das soziale Band darstellen, das in einem bestimmten Raum und in einer bestimmten Epoche Menschen in verbindlichen Austausch zueinander treten lässt. Innerhalb der Kulturbildungen kommt noch der Kunst eine bedeutsame Rolle zu, weil in ihr gemeinschaftliche und gesellschaftliche Werthaltungen im Hinblick auf ein Ideal geschaffen und gepflegt werden, indem das, wozu sich der Mensch getrieben sieht in sublimster Weise sich auszudrücken versucht. In der Arbeit am ästhetischen Ideal ist das Künstlersubjekt stets um Orginalität bemüht, wodurch es sich zumindest vorübergehend aus der Verbindlichkeit der gesellschaftlichen Kommunikation löst, um ausserhalb des Konventionellen sowohl seinen eigenen Anspruch als auch seinen gesellschaftlichen Auftrag zu erfüllen. Künstlerinnen streben sets danach individuelles Arbeiten zu vergesellschaften. Motor all dieser Bewegungen ist das dem menschlichen Subjekten innenwohnende Begehren. Freud bemerkt, dass der spezifisch menschliche Wunsch immer von aussen kommt, um überhaupt überleben zu können muss man von einem Anderen gewünscht werden.

Das Projekt „Aphanisis, the fading of the subject“ thematisiert die Organisation von Kunst im Rahmen gesellschaftlicher Prozesse als grundlegend konflikthaft, als eine Art Mesalliance. Kunst und Kunstwerke als Symptom, als Kompromiss zwischen dem Mut der Überschreitung von Grenzen, Tabus und der Tendenz zur Beibehaltung derselben. Mit neuen ästhetischen und sentimentalen, performativen Ritualen versucht dieses Projekt trotzalledem Kunst als intellektuelle, ästhetische und soziale Kapazität zu verhandeln und dem drohenden Verschwinden des Begehrens entgegen zu wirken. (Ute Burkhardt-Bodenwinkler, 2016)