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Anna Grath at fAN
sepal petal thorn

24 – 30.03.2017

Anna Grath – septal petal thorn
As famously postulated in Yves Klein’s Le Vide (1958) and Arman’s Le Plein (1960), art can be loosely divided into one of two tendencies: maximalist and minimalist. Artists like Phyllida Barlow, Thomas Hirschhorn and Kenneth Goldsmith try to make sense of the world through installations that overwhelm through accumulation and abundance, whereas others, such as Nairy Baghramian, Thea Djordjadze and Guy Mees, seem to constantly strive for irreducibility. Anna Grath is a maximalist in recovery. Between 2011-13 her practice consisted of creating exuberant and intricately layered combinations of objects and materials. Since then she has gradually reduced her sculptural assemblages to their bare bones, and therefore to the very essence of what a sculpture can be.
‘septal petal thorn’ is possibly Grath’s most paired down exhibition to date. As a deliberate response to the large glass front of the fAN Kunstverein, and its intended function as a display area for consumer goods, Grath has chosen to display some of her least decorative pieces, focusing instead on works that perform a specific purpose within the exhibition space. The first of these functions is to press and to hold (in German: Stemmen), as seen in the series Streben. These works conform within the parameters of a given space, but only after manipulation by the artist (with the exception of the metal piece that fits independently inside a half moon window). The biggest of these works joins fAN’s floor to its ceiling with a pole made of a variety of found material. That the object only fits with the inclusion of padded fabric thwarts the satisfaction gained from objects slotting together perfectly.
Other works in the exhibition hang and fall to create what Grath calls ‘an opposing choreography’ within the exhibition space. Shapewear (2017) is one such example. The work comprises of a net that – stripped of its original use value – now hangs on the wall as a kind of drawing. Furthering this comparison, Grath likens the way Shapewear fills (but also reveals) space to the way in which hatching is used in mark making.
This desire to mark out sections of the white cube is a recurring theme, here best seen in Blenk (2014), a sculpture from a group of older works in which Grath creates frame-like objects out of odds and ends. Grath works repeatedly in this fashion, ‘stealing’ the function of objects, such as a chair or a rope, and putting them at work instead in new compositions of her imagining.
– Chloe Stead

SEASONS is a four-part exhibition series taking place in spring, summer, autumn and winter. It is curated by Anna Schachinger, Michaela Schweighofer and Thilo Jenssen, featuring solo shows by artists that have never exhibited in Vienna before.

EIKO GRÖSCHL at fAN
“Rol­ling dice on a cor­ner”

02 -14.03.2017

Ma­le­rei der Sus­pen­se

Eiko Gröschls Wer­ke be­rüh­ren und er­zeu­gen gleich­zei­tig eine in­ne­re An­span­nung. Die­se wird sich bei län­ge­rer Be­trach­tung nicht auf­lö­sen. Sei­ne Bil­der wir­ken me­lan­cho­lisch, still und ge­heim­nis­voll (nach). Gröschls Werk lässt sich mit dem Be­griff „Sus­pen­se“ fas­sen. Es ist die Er­war­tung auf das Auf­tre­ten ei­nes den­noch un­er­war­te­ten Ge­scheh­nis­ses. Gröschl stößt al­ler­dings ei­nen Keil zwi­schen dem er­zäh­le­ri­schen und un­sicht­ba­ren Kon­zept und be­freit da­durch das dar­ge­stell­te Bild von sei­ner Ab­bil­dung. Sei­ne Mo­ti­ve sind sche­ma­tisch re­du­ziert und stel­len ge­wöhn­li­che All­tags­hand­lun­gen und Sze­ne­ri­en dar. Da­bei wie­der­ho­len sich die Su­jets: eine Frau sit­zend auf ei­ner Bank, ein Mann mit Hund, eine Uhr, die fast sechs schlägt, ein auf dem See schwim­men­des Ru­der­boot. Es sind Be­ob­ach­tun­gen, die durch klei­ne Ver­schie­bun­gen ins Ab­sur­de drif­ten. Die dar­ge­stell­ten Men­schen und Tie­re wir­ken wie iso­lier­te, selbst­ver­ges­se­ne, ver­träum­te We­sen, die Schau­plät­ze wirk­lich­keits­fern. Die Kon­se­quenz die­ser Ma­le­rei ent­schei­det auch über die for­ma­len und äs­the­ti­schen An­sät­ze, die auf vie­le Stil­ele­men­te der Avant­gar­den Ex­pres­sio­nis­ten ver­wei­sen. Sei­ne Su­jets sind nicht Trä­ger sei­ner ma­le­ri­scher In­ten­ti­on. Sei­ne Vor­stel­lun­gen sind von ei­ner Stim­mung ge­steu­ert, de­ren Aus­druck sich in der Far­be fin­det. Mal do­mi­nie­ren dunk­le und kräf­ti­ge Farb­tö­ne sei­ne Bil­der, die dick und flä­chig auf­ge­tra­gen sind. Oder es sind hel­le Far­ben, die sich über die Lein­wand streu­en und Tei­le von ihr un­be­deckt las­sen, wo­durch ein Schleier­ef­fekt er­zeugt wird, der sich sanft über die Sze­nen legt. Ohne Licht und Schat­ten wird das Sur­rea­le sei­ner Bil­der be­tont. Die­se nai­ve Mal­wei­se, so­wie die sim­ple Raum­auf­tei­lung er­zeu­gen Sym­pa­thie und Leich­tig­keit. (Lisa-Ma­rie Mei­er und Amer Ab­bas, 2017)

annual programme fAN: 7.

Aber Freund! wir kommen zu spät. Zwar leben die Götter, Aber über dem Haupt droben in anderer Welt. Endlos wirken sie da und scheinen’s wenig zu achten, Ob wir leben, so sehr schonen die Himmlischen uns.

Denn nicht immer vermag ein schwaches Gefäß sie zu fassen, Nur zuzeiten erträgt die göttliche Fülle der Mensch. Traum von ihnen ist drauf das Leben. Aber das Irrsal Hilft, wie Schlummer, und stark machet die Not und die Nacht, Bis daß Helden genug in der ehernen Wiege gewachsen, Herzen an Kraft, wie sonst, ähnlich den Himmlischen sind. Donnernd kommen sie drauf. Indessen dünket mir öfters Besser zu schlafen, wie so ohne Genossen zu sein,

So zu harren, und was zu tun indes und zu sagen, Weiß ich nicht, und wozu Dichter in dürftiger Zeit. Aber sie sind, sagst du, wie des Weingotts heilige Priester, Welche von Lande zu Land zogen in heiliger Nacht. (Friedrich Hölderlin “Brod und Wein”)

Und, wozu Kunst in dürftiger Zeit?………….Das Pflegen von Rousseaus “amour de soi” (Selbstliebe) erfordert ein hoch kultiviertes Bewusstsein. Eigennütziger Egoismus ist keine brutale Tatsache unserer Gesellschaft, sondern vielmehr ihre Ideologie. Heute wird oft behauptet, in unserer totalen Mediengesellschaft mit ihrer Kultur der öffentlichen Geständnisse und digitalen Überwachungsmöglichkeiten verschwinde die Privatsphäre. Das Gegenteil ist wahr: Es ist vielmehr der öffentliche Raum, der verschwindet. Was also kann Kunst tun? Ist Kunst bloss Abbild eines traumatischen Innenlebens. Ist Kunst “das grosse andere”? Was, so könnte man fragen kann Kunst für die Gesellschaft tun? Kulturimagines und Diskurse sind sinsofern die Grundlage von Gesellschaften, als sie das soziale Band darstellen, das in einem bestimmten Raum und in einer bestimmten Epoche Menschen in verbindlichen Austausch zueinander treten lässt. Innerhalb der Kulturbildungen kommt noch der Kunst eine bedeutsame Rolle zu, weil in ihr gemeinschaftliche und gesellschaftliche Werthaltungen im Hinblick auf ein Ideal geschaffen und gepflegt werden, indem das, wozu sich der Mensch getrieben sieht in sublimster Weise sich auszudrücken versucht. In der Arbeit am ästhetischen Ideal ist das Künstlersubjekt stets um Orginalität bemüht, wodurch es sich zumindest vorübergehend aus der Verbindlichkeit der gesellschaftlichen Kommunikation löst, um ausserhalb des Konventionellen sowohl seinen eigenen Anspruch als auch seinen gesellschaftlichen Auftrag zu erfüllen. Künstlerinnen streben sets danach individuelles Arbeiten zu vergesellschaften. Motor all dieser Bewegungen ist das dem menschlichen Subjekten innenwohnende Begehren. Freud bemerkt, dass der spezifisch menschliche Wunsch immer von aussen kommt, um überhaupt überleben zu können muss man von einem Anderen gewünscht werden.

Das Projekt „Aphanisis, the fading of the subject“ thematisiert die Organisation von Kunst im Rahmen gesellschaftlicher Prozesse als grundlegend konflikthaft, als eine Art Mesalliance. Kunst und Kunstwerke als Symptom, als Kompromiss zwischen dem Mut der Überschreitung von Grenzen, Tabus und der Tendenz zur Beibehaltung derselben. Mit neuen ästhetischen und sentimentalen, performativen Ritualen versucht dieses Projekt trotzalledem Kunst als intellektuelle, ästhetische und soziale Kapazität zu verhandeln und dem drohenden Verschwinden des Begehrens entgegen zu wirken. (Ute Burkhardt-Bodenwinkler, 2016)